Ein Gemeindedirektor, der sich nach seiner Pensionierung selbstständig macht, dürfte die ganz große Ausnahme sein. Genau das aber hat Albert Baving 1964 getan und gründete zusammen mit seinem Sohn Hans die Alba Städte- und Industriereinigung. Heute hat das Neuenkirchener Unternehmen weit über hundert Mitarbeiter.
Als Verwaltungschef in Neuenkirchen und Wettringen wusste Albert Baving natürlich genau, wo Kommunen der Schuh drückt, und hatte zudem beste Kontakte zu den Amtsinhabern der umliegenden Städte und Gemeinden. „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier“ – dieses Zitat aus Goethes Gedicht „Bürgerpflicht“ funktionierte so einfach nicht mehr. Doch für eine eigene Kehrmaschine fehlte den Gemeinden schon damals das Geld, und eine Vollauslastung wäre vielfach auch nicht gegeben gewesen. Und so kauften Albert und Hans Baving selbst eine Kehrmaschine und boten die Dienstleistung den ersten Kommunen an. „Unser Vater hat anfangs noch selbst auf der Kehrmaschine gesessen“, berichtet Dr. Jörg Baving (43), der seit 1999 zusammen mit seinem Bruder Claus (41) das Unternehmen in der dritten Generation an der Dieselstraße 14 in Neuenkirchen führt.
Inzwischen gehören rund 100 Fahrzeuge zur Fahrzeugflotte, über 60 davon sind Großkehrmaschinen, der Rest teilt sich auf in Kleinkehrmaschinen, Sondergeräte und Servicefahrzeuge. Mit mehr als 120 Städten und Gemeinden gibt es aktuell Reinigungsverträge, dazu kommen zahlreiche Industrieunternehmen, darunter Bayer, BASF und Thyssen. Die Maschinen mit dem Logo ALBA aus den Anfangsbuchstaben des Firmengründers sind auf Straßen in ganz Nordwestdeutschland im Einsatz. Zwischen Wilhelmshaven und Frankfurt sowie Hannover und der Nordsee werden jeden Tag mehr als 2000 Kilometer Asphalt und Pflaster gereinigt.
Gute Geschäfte mit den Niederländern
Das Geschäftsgebiet endet nicht stumpf an der niederländischen Grenze. „Wir leben die Euregio“ betont Claus Baving. Die offenen Grenzen hätten große Vorteile gebracht „auch in den Köpfen der Menschen“. Den beiden Neuenkirchener Geschäftsleuten gefällt die offene und ehrliche Art der westlichen Nachbarn. „Erst neulich haben wir ein umfangreiches Geschäft per Handschlag besiegelt – und Sie können sich darauf verlassen, dass das Besprochene gilt“, freut sich Claus Baving. Auch seine Fahrer arbeiten gern in Holland, wie sie ihm immer wieder erzählen. Da gibt es dann vor Beginn der Arbeiten erst mal von Kunden eine Tasse Kaffee oder auch eine Frikadelle. Dadurch werde keineswegs weniger gearbeitet, wie die Baving-Brüder unisono betonen. Im Gegenteil. Die Mitarbeiter sind motiviert, nicht zuletzt, weil sie am Erfolg des Unternehmens partizipieren. „Wir haben eine erfolgsorientierte Bezahlung, die sich nach dem Jahresergebnis richtet“, erläutert Jörg Baving. Schon früh war klar, dass 2009 ein erfolgreiches Geschäftsjahr wird. Und so wurde die Ausschüttung schon auf den Sommer vorgezogen. „Es sollte ein Zeichen gegen die allgemeine Krisenstimmung sein“, führt Jörg Baving aus. „Seht her, Eure Jobs sind sicher“. Denn von Krise kann in seinem Unternehmen keine Rede sein. Zum einen habe man von den deutlich gesunkenen Kraftstoffpreisen profitiert, zum anderen gehen große Teile des Konjunkturprogrammes in den Straßenbau.
Straßenreinigung ist längst nicht mehr das alleinige Geschäft des Neuenkirchener Unternehmens. Im Bereich von Außenanlagen werden zahlreiche Dienstleistungen durchgeführt, zum Beispiel für Straßenmeistereien das Reinigen von Leitpfosten und Straßenschilder, die Abfallsammlung an den Straßenrändern oder das Aufstellen, Unterhalten und Leeren von Abfallsammelbehältern an Autobahnen. Ebenso werden Straßengullys gereinigt, kommunale Kinderspielplätze, Sport- und Grünanlagen instandgehalten und gesäubert sowie der Winterdienst übernommen. Beinahe selbstverständlich ist da, dass Grün- und Rasenschnitt nebst großflächiger Einsammlung von Gehölz- und Grünschnitt im Frühjahr und Herbst zum Portfolio von Alba gehört. Zur Übernahme des Betriebs kommunaler Friedhöfe ist es da nur ein kleiner Schritt.
Spezialisierter Fuhrpark
Für das Leistungsspektrum von Alba bedarf es eines spezialisierten Fuhrparkes, was natürlich mit hohen Investitionen verbunden ist. LED-Absperrtafeln zur Baustellenabsicherung gehören ebenso dazu wie diverse Vorsätze für die Kehrmaschinen. Diese werden aber nicht „von der Stange“ gekauft, macht Jörg Baving deutlich, sondern in der eigenen Werkstatt für Spezialdienstleistungen umgerüstet. Nicht nur der Maschinenpark muss auf dem Stand der Zeit sein – auch die Mitarbeiter. Sie werden ständig geschult, auch in Bereichen, die man primär gar nicht vermuten würde: Zum Beispiel hinsichtlich optimaler und rechtlich einwandfreier Absperrmaßnahmen bei ihren Arbeiten.
Seit 1989 gibt es einen weiteren Geschäftszweig: Das Recycling. Die Alba Service GmbH & Co. KG mit Sitz in Rheine bereitet quecksilberhaltige Abfälle auf. Das können auch Fieberthermometer sein, sind aber in erster Linie Leuchtstofflampen. 15 Millionen dieser Lampen werden jedes Jahr zuerst zerkleinert. Dann werden Glasbruch und Metallteile vom quecksilberhaltigen Leuchtstoff getrennt. Im folgenden thermischen Trennungsprozess wird der Leuchtstoff ausgeheizt und so vom Quecksilber befreit. Glas und Metallteile werden der Wiederverwertung zugeführt. In einer weiteren Anlage werden Bildschirme zerlegt und deren Teile wiederverwertet.
Kunststoffe werden ebenfalls von Alba für ein neues Leben vorbereitet – sei es als Abwasserleitung, im Straßenbau oder als Rasengittersteine. Die alten Kunststoffe werden nach verschiedenen Spezifikationen sortiert und zu Granulat verarbeitet, aus dem dann verschiedene Hersteller neue Kunststoffprodukte gießen. Inzwischen werden die Kunststoffe auch in Finnland, Südeuropa, Russland und sogar China vermarktet.
Sammlung und Verwertung von Kühlschränken
Noch eine sehr junge Sparte bei Alba ist die Sammlung und Verwertung von Kühlschränken. Doch obwohl Claus und Jörg Baving hier erst seit 2007 tätig sind, konnten sie zusammen mit Partnern schon europaweite Ausschreibungen für sich entscheiden und bekamen Aufträge aus den Niederlanden und Südeuropa.
Bei allen Aufträgen ist für die beiden Geschäftsführer eines wichtig: „Wir holen keine Aufträge über Dumpingpreise“, erklärt Jörg Baving selbstbewusst eine Unternehmensphilosophie. Man müsse einfach ein bisschen besser sein als die Mitbewerber. Und da nutzt der 43-Jährige auch ungewöhnliche Wege. Derzeit beobachtet er intensiv die Kraftstoffpreise am Rotterdamer Spotmarkt. Durch Termingeschäfte will er seine Dieselpreise für die nächsten fünf Jahre absichern, denn er rechnet mit wieder steigenden Spritkosten. Nicht ohne Grund stellt er diese Überlegungen an. Allein durch die Betriebstankstelle in Neuenkirchen fließen jedes Jahr eine Million Liter Diesel. Da werden zehn Cent mehr pro Liter schnell zu 100 000 Euro Mehrkosten.
Ein Artikel von Georg Mausolf (Wirtschaftsspiegel, Januar 2010)
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Als Verwaltungschef in Neuenkirchen und Wettringen wusste Albert Baving natürlich genau, wo Kommunen der Schuh drückt, und hatte zudem beste Kontakte zu den Amtsinhabern der umliegenden Städte und Gemeinden. „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier“ – dieses Zitat aus Goethes Gedicht „Bürgerpflicht“ funktionierte so einfach nicht mehr. Doch für eine eigene Kehrmaschine fehlte den Gemeinden schon damals das Geld, und eine Vollauslastung wäre vielfach auch nicht gegeben gewesen. Und so kauften Albert und Hans Baving selbst eine Kehrmaschine und boten die Dienstleistung den ersten Kommunen an. „Unser Vater hat anfangs noch selbst auf der Kehrmaschine gesessen“, berichtet Dr. Jörg Baving (43), der seit 1999 zusammen mit seinem Bruder Claus (41) das Unternehmen in der dritten Generation an der Dieselstraße 14 in Neuenkirchen führt.
Inzwischen gehören rund 100 Fahrzeuge zur Fahrzeugflotte, über 60 davon sind Großkehrmaschinen, der Rest teilt sich auf in Kleinkehrmaschinen, Sondergeräte und Servicefahrzeuge. Mit mehr als 120 Städten und Gemeinden gibt es aktuell Reinigungsverträge, dazu kommen zahlreiche Industrieunternehmen, darunter Bayer, BASF und Thyssen. Die Maschinen mit dem Logo ALBA aus den Anfangsbuchstaben des Firmengründers sind auf Straßen in ganz Nordwestdeutschland im Einsatz. Zwischen Wilhelmshaven und Frankfurt sowie Hannover und der Nordsee werden jeden Tag mehr als 2000 Kilometer Asphalt und Pflaster gereinigt.
Gute Geschäfte mit den Niederländern
Das Geschäftsgebiet endet nicht stumpf an der niederländischen Grenze. „Wir leben die Euregio“ betont Claus Baving. Die offenen Grenzen hätten große Vorteile gebracht „auch in den Köpfen der Menschen“. Den beiden Neuenkirchener Geschäftsleuten gefällt die offene und ehrliche Art der westlichen Nachbarn. „Erst neulich haben wir ein umfangreiches Geschäft per Handschlag besiegelt – und Sie können sich darauf verlassen, dass das Besprochene gilt“, freut sich Claus Baving. Auch seine Fahrer arbeiten gern in Holland, wie sie ihm immer wieder erzählen. Da gibt es dann vor Beginn der Arbeiten erst mal von Kunden eine Tasse Kaffee oder auch eine Frikadelle. Dadurch werde keineswegs weniger gearbeitet, wie die Baving-Brüder unisono betonen. Im Gegenteil. Die Mitarbeiter sind motiviert, nicht zuletzt, weil sie am Erfolg des Unternehmens partizipieren. „Wir haben eine erfolgsorientierte Bezahlung, die sich nach dem Jahresergebnis richtet“, erläutert Jörg Baving. Schon früh war klar, dass 2009 ein erfolgreiches Geschäftsjahr wird. Und so wurde die Ausschüttung schon auf den Sommer vorgezogen. „Es sollte ein Zeichen gegen die allgemeine Krisenstimmung sein“, führt Jörg Baving aus. „Seht her, Eure Jobs sind sicher“. Denn von Krise kann in seinem Unternehmen keine Rede sein. Zum einen habe man von den deutlich gesunkenen Kraftstoffpreisen profitiert, zum anderen gehen große Teile des Konjunkturprogrammes in den Straßenbau.
Straßenreinigung ist längst nicht mehr das alleinige Geschäft des Neuenkirchener Unternehmens. Im Bereich von Außenanlagen werden zahlreiche Dienstleistungen durchgeführt, zum Beispiel für Straßenmeistereien das Reinigen von Leitpfosten und Straßenschilder, die Abfallsammlung an den Straßenrändern oder das Aufstellen, Unterhalten und Leeren von Abfallsammelbehältern an Autobahnen. Ebenso werden Straßengullys gereinigt, kommunale Kinderspielplätze, Sport- und Grünanlagen instandgehalten und gesäubert sowie der Winterdienst übernommen. Beinahe selbstverständlich ist da, dass Grün- und Rasenschnitt nebst großflächiger Einsammlung von Gehölz- und Grünschnitt im Frühjahr und Herbst zum Portfolio von Alba gehört. Zur Übernahme des Betriebs kommunaler Friedhöfe ist es da nur ein kleiner Schritt.
Spezialisierter Fuhrpark
Für das Leistungsspektrum von Alba bedarf es eines spezialisierten Fuhrparkes, was natürlich mit hohen Investitionen verbunden ist. LED-Absperrtafeln zur Baustellenabsicherung gehören ebenso dazu wie diverse Vorsätze für die Kehrmaschinen. Diese werden aber nicht „von der Stange“ gekauft, macht Jörg Baving deutlich, sondern in der eigenen Werkstatt für Spezialdienstleistungen umgerüstet. Nicht nur der Maschinenpark muss auf dem Stand der Zeit sein – auch die Mitarbeiter. Sie werden ständig geschult, auch in Bereichen, die man primär gar nicht vermuten würde: Zum Beispiel hinsichtlich optimaler und rechtlich einwandfreier Absperrmaßnahmen bei ihren Arbeiten.
Seit 1989 gibt es einen weiteren Geschäftszweig: Das Recycling. Die Alba Service GmbH & Co. KG mit Sitz in Rheine bereitet quecksilberhaltige Abfälle auf. Das können auch Fieberthermometer sein, sind aber in erster Linie Leuchtstofflampen. 15 Millionen dieser Lampen werden jedes Jahr zuerst zerkleinert. Dann werden Glasbruch und Metallteile vom quecksilberhaltigen Leuchtstoff getrennt. Im folgenden thermischen Trennungsprozess wird der Leuchtstoff ausgeheizt und so vom Quecksilber befreit. Glas und Metallteile werden der Wiederverwertung zugeführt. In einer weiteren Anlage werden Bildschirme zerlegt und deren Teile wiederverwertet.
Kunststoffe werden ebenfalls von Alba für ein neues Leben vorbereitet – sei es als Abwasserleitung, im Straßenbau oder als Rasengittersteine. Die alten Kunststoffe werden nach verschiedenen Spezifikationen sortiert und zu Granulat verarbeitet, aus dem dann verschiedene Hersteller neue Kunststoffprodukte gießen. Inzwischen werden die Kunststoffe auch in Finnland, Südeuropa, Russland und sogar China vermarktet.
Sammlung und Verwertung von Kühlschränken
Noch eine sehr junge Sparte bei Alba ist die Sammlung und Verwertung von Kühlschränken. Doch obwohl Claus und Jörg Baving hier erst seit 2007 tätig sind, konnten sie zusammen mit Partnern schon europaweite Ausschreibungen für sich entscheiden und bekamen Aufträge aus den Niederlanden und Südeuropa.
Bei allen Aufträgen ist für die beiden Geschäftsführer eines wichtig: „Wir holen keine Aufträge über Dumpingpreise“, erklärt Jörg Baving selbstbewusst eine Unternehmensphilosophie. Man müsse einfach ein bisschen besser sein als die Mitbewerber. Und da nutzt der 43-Jährige auch ungewöhnliche Wege. Derzeit beobachtet er intensiv die Kraftstoffpreise am Rotterdamer Spotmarkt. Durch Termingeschäfte will er seine Dieselpreise für die nächsten fünf Jahre absichern, denn er rechnet mit wieder steigenden Spritkosten. Nicht ohne Grund stellt er diese Überlegungen an. Allein durch die Betriebstankstelle in Neuenkirchen fließen jedes Jahr eine Million Liter Diesel. Da werden zehn Cent mehr pro Liter schnell zu 100 000 Euro Mehrkosten.
Ein Artikel von Georg Mausolf (Wirtschaftsspiegel, Januar 2010)
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